Kurz gesagt: Die Abricotine du Valais AOP ist ein Aprikosenbrand, der ausschließlich im Kanton Wallis hergestellt wird, aus Aprikosen der Sorte Luizet (mindestens 90 %). Sie hat mindestens 40 % vol., ohne zugesetzte Aromen oder Farbstoffe. Nach einer Walliser Raclette ist sie die perfekte Terroir-Kombination: Käse und Frucht stammen aus demselben Kanton. Eine kleine Menge, kühl, zum Genuss, nicht für die Verdauung.
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Eine Walliser AOP mit strengem Pflichtenheft
Ihr offizieller Name lautet „Abricotine“ oder „Eau-de-vie d’abricot du Valais“, geschützte Ursprungsbezeichnung (auf Deutsch: Walliser Aprikosenbrand). Sie ist durch einen Entscheid des Bundesamts für Landwirtschaft vom 6. November 2002, geändert 2014 und 2020, im eidgenössischen Register der AOP und IGP eingetragen. Das Pflichtenheft lässt keinen Spielraum: Obstproduktion, Lagerung, Gärung, Destillation und Abfüllung erfolgen ausschließlich innerhalb des Kantons Wallis.
Der Held der Geschichte ist die Luizet-Aprikose. Laut der Schweizerischen Vereinigung der AOP-IGP soll diese Sorte bereits 1838 ins Wallis gekommen sein, und mit ihrem Anbau hat sich die Destillation entwickelt: zuerst bei vielen Privatleuten für den Eigenbedarf, dann für den Verkauf. Die Aprikosenbäume wachsen bis auf 1.100 Meter Höhe. Das Pflichtenheft schreibt die Luizet vor und toleriert andere Sorten aus dem Walliser Obstbau bis zu 10 % pro Brenner und Jahr.
Wie sie hergestellt wird
Der offizielle Text liest sich wie das Rezept eines anspruchsvollen Brenners:
- Punktgenau reife Früchte: weich, um den Stein herum zerfließend, gesund, mit einem Mindestkaliber von 35 mm. Faule Früchte, Blätter und Stiele werden aussortiert.
- Rückverfolgbarkeit: Jeder Brenner führt ein Lieferregister mit Menge, Luizet-Anteil und Herkunftsparzelle.
- Pflicht zum Entsteinen, vor oder am Ende der Gärung. Die AOP-IGP-Vereinigung erklärt, dass so eine übermäßige Bitterkeit vermieden wird.
- Eine überwachte Gärung, zwischen 15 und 25 °C.
- Destillation im Brennkessel, Kolonnenbrennereien sind ausgeschlossen. Der Vorlauf wird abgetrennt und erneut destilliert, und der Mittellauf muss im Durchschnitt mindestens 60 % vol. erreichen.
- Mindestens drei Monate Ruhe im Tank vor der Abfüllung, dann Herabsetzung auf mindestens 40 % vol. mit mineralarmem Wasser.
- Fast nichts zugesetzt: Die Süßung ist auf 5 g pro Liter begrenzt, und jeder Aromaverstärker oder Farbstoff ist verboten.
Schließlich durchläuft jede Partie eine Verkostung nach vier Kriterien: Geruch und Reinheit, Charakter und Frucht, Geschmack und Reinheit, Harmonie. Als ungenügend beurteilte Partien verlieren das Recht auf den Namen. Die Zertifizierung übernimmt eine im Pflichtenheft benannte Stelle (OIC oder Procert Safety).
Der Geschmack
Das Pflichtenheft sagt es ohne Umschweife: ein ausgeprägter Geschmack nach Luizet-Aprikose. Es listet auch auf, was man nicht will: eine zu starke Bitterkeit, einen grasigen, spritigen oder oxidierten Geschmack. Die Walliser Standortpromotion attestiert ihr einen ausgeprägten Aprikosengeschmack mit einem Hauch Mandel. Im Glas ist sie ein klarer Brand, der mitten im Januar nach Sommer duftet, was, geben wir es zu, genau das ist, was man nach drei Runden Raclette im Schnee erwartet.
Warum nach einer Raclette (und was die Wissenschaft dazu sagt)
Raclette du Valais AOP, dazu Fendant, zum Schluss Abricotine: Das ist das komplette Walliser Menü, von der Wiese bis zum Obstgarten. Die Frucht bringt eine Frische, die sich vom reichhaltigen Käse abhebt.
Was die Verdauung angeht, muss man dagegen ehrlich sein. Ein 2010 im BMJ veröffentlichter Versuch, in Zürich mit 20 Freiwilligen durchgeführt, servierte ein Käsefondue mit Weißwein oder Schwarztee, danach ein Gläschen Kirsch oder Wasser: Mit Alkohol entleerte sich der Magen langsamer, ohne deutlichen Unterschied bei den Beschwerden. Eine Studie von 2008 zu mehreren Digestifs, darunter ein Birnenbrand, fand keine Beschleunigung der Magenentleerung, während ein langsamer Spaziergang (4 km/h, über die drei Messstunden) sie beschleunigte, ohne die Beschwerden zu lindern. Die Abricotine ist also ein Genuss zum Abschluss, kein Heilmittel. Um das Essen ohne Alkohol abzuschließen, schau in unseren Ratgeber Raclette und Verdauung, mit Kräutertees und alkoholfreien Tipps.
Wie du deine Flasche auswählst
- Die Pflichtangaben: Das Etikett muss „Abricotine“ oder „Eau-de-vie d’abricot du Valais“ tragen, den Vermerk „Appellation d’origine protégée“ oder „AOP“ und das AOP-Logo (es darf auf dem Rückenetikett stehen; kleine Fläschchen von 1 dl oder weniger sind davon befreit).
- Vorsicht vor Verwechslungen: Ein „Aprikosenbrand“ ohne AOP-Vermerk oder ein Aprikosenlikör ist keine Abricotine. Der Likör ist süß und weniger alkoholhaltig.
- Der Alkoholgehalt: mindestens 40 % vol.
Das Servieren
Valais/Wallis Promotion empfiehlt eine Temperatur von 8 bis 12 °C: also kühl, aber nicht eiskalt, sonst versteckt sich die Aprikose. Eine kleine Menge von 2 bis 3 cl reicht, in einem Tulpenglas oder einem kleinen Schnapsglas, das den Duft bündelt. Bewahre die Flasche trocken und lichtgeschützt auf.
Die passenden Begleiter
- Aprikosensorbet: Die Walliser Standortpromotion nennt die Abricotine zum Dessert, zum Beispiel mit einem Sorbet. Ein paar Tropfen genügen.
- Aprikosenkuchen: frische Frucht und destillierte Frucht, ein naheliegendes Duo.
- Milch- oder weiße Schokolade: Die Süße der Schokolade bringt die Frucht zur Geltung.
- Kaffee: ein Espresso vorher, die Abricotine danach, und der Abend ist rund.
Die anderen Digestifs zur Raclette
Um alles zu vergleichen, geht es zurück zum kompletten Guide der Digestifs nach der Raclette. Der andere große Walliser AOP-Brand wird auf unserer Seite zum Williams-Birnenbrand vorgestellt. Für Trauben statt Obst lies unsere Seite zu Marc und Grappa, und für Bergkräuter unsere Génépi-Seite. Für die Weine zum Essen schau in den Weinratgeber für die Raclette.

Häufige Fragen
Was ist Abricotine?
Ein Aprikosenbrand, der durch eine Schweizer Ursprungsbezeichnung (AOP) geschützt ist. Er wird vollständig im Kanton Wallis aus Luizet-Aprikosen hergestellt, andere Sorten sind bis zu 10 % toleriert, und hat mindestens 40 % vol.
Sind Abricotine und Aprikosenlikör dasselbe?
Nein. Die Abricotine ist ein destillierter Brand, sehr wenig gesüßt (laut Pflichtenheft höchstens 5 g pro Liter) und ohne zugesetzte Aromen. Ein Likör ist ein gesüßtes Getränk, meist mit weniger Alkohol.
Bei welcher Temperatur serviert man Abricotine?
Zwischen 8 und 12 °C, laut Valais/Wallis Promotion, in kleiner Menge und in einem Glas, das die Aromen bündelt.
Hilft Abricotine, die Raclette zu verdauen?
Nein. Die verfügbaren Studien zeigen keine Beschleunigung der Verdauung durch einen Digestif, und ein Versuch mit Käsefondue beobachtete mit Alkohol sogar eine langsamere Magenentleerung. Ein langsamer Spaziergang nach dem Essen hat die Magenentleerung beschleunigt, ohne die Beschwerden zu lindern.
Quellen
- Bundesamt für Landwirtschaft (BLW): Pflichtenheft der Abricotine AOP
- Schweizerische Vereinigung der AOP-IGP: Abricotine AOP
- Valais/Wallis Promotion: die Walliser AOP-Brände
- Heinrich et al., BMJ 2010: Wein, Schwarztee oder Schnaps zum Käsefondue (Studie auf Englisch)
- Franke et al., J Gastrointestin Liver Dis 2008: Digestifs, Espresso und Spaziergang nach dem Essen (Studie auf Englisch)
- PubMed Central: Zusammenfassung von Heinrich et al., BMJ 2010 (auf Englisch)
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