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Wie geschmolzener Käse die Welt eroberte
Raclette gibt es mittlerweile auf der ganzen Welt, und jedes Land hat seine eigene Tradition rund um geschmolzenen Käse entwickelt. Was als einfache Hirtenmahlzeit in den Walliser Alpen begann, ist längst ein globales Phänomen. In der Schweiz wird ein halber Laib am offenen Feuer geschmolzen, in Frankreich brutzeln Pfännchen auf dem Tisch, und in Deutschland gehört das Raclette-Gerät zum Silvesterabend wie das Feuerwerk. Seit über zehn Jahren teste ich Raclette-Geräte, Käsesorten und Rezepte aus verschiedenen Ländern und kann bestätigen: Jede Kultur bringt ihre eigene Note in dieses gesellige Ritual. Hier geht es einmal rund um den Globus, vom Wallis bis nach Tokyo.

Schweiz: Wo Hirten ein Ritual erfanden
Im Kanton Wallis begann alles. Bereits im 13. Jahrhundert legten Alphirten ihren Käselaib ans Lagerfeuer, warteten, bis die Oberfläche schmolz, und schabten den flüssigen Käse auf ein Stück Brot. Das französische Verb racler (schaben) gab dieser Praxis ihren Namen. Über Jahrhunderte blieb Raclette eine bodenständige Bergmahlzeit. Was brauchte man schon? Ein Feuer, einen halben Laib und ein Messer zum Abschaben. Die erste schriftliche Erwähnung findet sich in mittelalterlichen Klosteraufzeichnungen, wo Mönche beschrieben, wie Sennen Käse an der Glut erwärmten und auf Brot strichen.
Heute ist das traditionelle Raclette am offenen Feuer vor allem bei der jährlichen Désalpe zu erleben. Bei diesem Alpabzug werden die Kühe feierlich von den Sommerweiden ins Tal gebracht, und an den Festständen schmilzt Raclette-Käse genau so, wie es die Hirten einst praktizierten. Der Walliser Raclette du Valais AOP unterliegt strengen Qualitätsvorschriften: Rohmilch aus der Region, mindestens drei Monate Reifung und ein charakteristischer Geschmack, der je nach Alp variiert. Neben dem AOP-Käse gibt es weitere Raclette-Käsesorten, die sich zum Schmelzen eignen.
Wer das ursprüngliche Erlebnis zu Hause nachempfinden will, greift zu einem traditionellen Schmelzgerät. Das TTM Raclette Ambiance bringt den Walliser Stil auf den Esstisch, ohne dass man ein Lagerfeuer im Wohnzimmer entzünden muss. Der obere Heizkörper schmilzt den halben Laib langsam und gleichmässig, genau wie am Feuer. Das Gerät ist kompakt genug für einen normalen Esstisch und schwer genug, um stabil zu stehen, wenn der Käselaib aufgelegt wird.
Dazu gehören ungeschälte Kartoffeln, Essiggurken, Silberzwiebeln und Walliser Trockenfleisch. In manchen Gasthäusern reicht man zusätzlich frisch gemahlenen Pfeffer und einen trockenen Fendant aus der Nachbarschaft. Einfachheit ist hier Programm: Der Käse soll im Mittelpunkt stehen, nicht die Beilagen. Wer im Herbst durch das Wallis reist, findet in fast jedem Dorf ein Restaurant, das Raclette am offenen Feuer serviert. Die Kellner drehen den Laib regelmässig, schaben die geschmolzene Schicht ab und legen sie auf vorgewärmte Teller. Dieses Erlebnis lässt sich durch kein elektrisches Gerät vollständig ersetzen, denn der leichte Rauchgeschmack und die karamellisierte Kruste machen den Unterschied.
Frankreich: Die Revolution der Pfännchen
Während die Schweizer ihren halben Laib am Feuer bevorzugen, hat Frankreich das Raclette komplett neu interpretiert. In den 1970er-Jahren kamen die ersten elektrischen Raclette-Geräte mit individuellen Pfännchen auf den Markt und verwandelten die Bergmahlzeit in ein geselliges Tischerlebnis für die ganze Familie. Statt eines einzigen Käselaibs legt jeder Gast seine eigene Portion Raclette-Scheiben ins Pfännchen und wartet, bis der Käse Blasen wirft.
In Frankreich ist das Raclette-Abendessen eine Angelegenheit der Fülle. Neben den obligatorischen Kartoffeln und Essiggurken türmen sich Platten mit Schinken, Chorizo, Rosette de Lyon, Coppa und Saucisson sec auf dem Tisch. Manche Familien ergänzen Pilze, Paprika oder sogar Ananas. Vom puristischen Schweizer Original ist das meilenweit entfernt. Das Gerät selbst wird zum zentralen Möbelstück des Abends: Es steht in der Tischmitte, und die Pfännchen wandern hin und her, während Gespräche fliessen und Weinflaschen sich leeren.
Wer ein Gerät sucht, das sowohl Pfännchen als auch eine grosse Grillfläche bietet, findet im Swissmar Stelvio eine zuverlässige Option. Acht Pfännchen plus eine Naturstein-Grillplatte machen es flexibel genug für Abende, an denen sich die Gäste zwischen Käse schmelzen und Fleisch grillen nicht entscheiden wollen. Einfache Raclette-Rezepte liefern Inspiration für die Pfännchen-Füllung.
Ein weiterer Unterschied: Französischer Raclette-Käse stammt häufig aus Savoyen und schmeckt milder und cremiger als sein Walliser Pendant. Raclette de Savoie IGP wird aus pasteurisierter Milch hergestellt und hat eine kürzere Reifezeit, was ihm eine weichere Textur verleiht. Beide Varianten schmelzen wunderbar, schmecken aber spürbar unterschiedlich. In Frankreich ist es übrigens kein Wintergericht allein: Viele Familien geniessen ihr Raclette auch im Sommer auf der Terrasse, dann mit leichten Salaten und einem Glas Rosé statt des schweren Weissweins.
Vom Walliser Feuer zum Silvesterabend — Raclette beweist, dass geschmolzener Käse weder Reisepass noch Übersetzung braucht, um Herzen zu gewinnen.

Warum ist Raclette der Star des deutschen Silvesterabends?
In keinem anderen Land ist Raclette so eng mit einem einzigen Datum verbunden wie in Deutschland. Am 31. Dezember steht in Millionen deutscher Haushalte ein Raclette-Gerät auf dem Tisch, und das aus gutem Grund: Der Abend dauert lang, die Gruppe ist gross, und ein Gericht, das sich über Stunden hinzieht, passt perfekt zum Countdown. Supermärkte stapeln ab Mitte Dezember Raclette-Käse neben dem Feuerwerksregal, und wer kein eigenes Gerät besitzt, leiht sich eins vom Nachbarn.
Das deutsche Silvester-Raclette unterscheidet sich deutlich von der Schweizer Tradition. Die Pfännchen werden zum Experimentierfeld: Neben klassischen Kombinationen aus Kartoffeln, Aufschnitt und Essiggurken landen Spiegeleier, Speckwürfel, Mais, Brokkoli und sogar Schokolade im kleinen Pfännchen. Manche Familien führen Themenrunden ein, bei denen jeder Gast ein bestimmtes Pfännchen-Rezept mitbringen muss. So wird der Silvesterabend zum Wettbewerb der Kreativität.
Was Raclette für Deutsche so attraktiv macht, ist der soziale Charakter. Keiner sitzt still, keiner wartet auf einen Gang aus der Küche. Alle bedienen sich, plaudern, probieren aus. Die Kinder basteln wilde Kreationen, die Grosseltern bleiben bei bewährten Kombinationen, und die Gastgeber können den Abend geniessen, statt in der Küche zu stehen. Das Raclette-Gerät wird zum sozialen Mittelpunkt, um den sich Gespräche, Lachen und das gemeinsame Warten auf Mitternacht drehen.
Ein weiterer Vorteil: Die Vorbereitung ist minimal. Kartoffeln kochen, Aufschnitt und Gemüse auf Platten anrichten, Käse aufschneiden. Der Rest passiert am Tisch. Für Gastgeber, die an einem ohnehin stressigen Abend Entspannung suchen, ist das ein unschlagbares Argument.
Spannend ist auch, wie unterschiedlich Raclette in den einzelnen Regionen Deutschlands ausfällt. Bayern-Fans stellen gerne Obatzda neben das Raclette-Gerät. An der Küste landen Krabben und Räucherlachs in den Pfännchen, während im Rheinland manche mit Flammkuchen-Zutaten wie Schmand und Speck experimentieren. So schmeckt Silvester-Raclette in Hamburg anders als in München, und genau das hält es jedes Jahr spannend.
Was unterscheidet Gourmetten von Raclette?
Wer in den Niederlanden zum Weihnachtsessen eingeladen wird, stösst unweigerlich auf das Gourmetten. Auf den ersten Blick sieht es dem Raclette verblüffend ähnlich: ein Gerät in der Tischmitte, kleine Pfännchen für jeden Gast und Platten voller Zutaten. Doch der Fokus liegt anders. Beim Gourmetten steht das Grillen auf der oberen Platte im Vordergrund, während die Pfännchen eher zum Überbacken oder Saucen-Erhitzen dienen. Käse spielt eine Nebenrolle, Fleisch und Meeresfrüchte stehen im Mittelpunkt.
Typische Gourmetten-Zutaten sind marinierte Hühnchenstücke, Garnelen, dünne Rindfleischscheiben, Champignons und Paprika. Dazu reicht man diverse Saucen: Satay, Knoblauch, Cocktail. Die Atmosphäre gleicht dem Raclette in ihrer Geselligkeit, doch geschmolzener Käse steht nicht im Zentrum. Niederländische Familien pflegen das Gourmetten vor allem am ersten Weihnachtsfeiertag, während in Deutschland Raclette den Silvesterabend dominiert. Beide Traditionen setzen auf gemeinsames Kochen am Tisch, nur eben mit ganz anderen Schwerpunkten. Kein Wunder also, dass Kombigeräte mit Grill und Pfännchen in den Niederlanden beliebter sind als reine Raclette-Modelle.
Von Tokyo bis zur Weltmeisterschaft: Raclette erobert den Planeten
In Tokyo haben sich in den letzten Jahren spezialisierte Raclette-Bars etabliert, die einen halben Laib vor den Augen der Gäste schmelzen und den goldenen Käse über Kartoffeln, Gemüse oder sogar Reis giessen. Die japanische Begeisterung für toro-toro (cremig-schmelzende) Texturen macht Raclette zu einem natürlichen Favoriten. Im Viertel Shibuya reihen sich an manchen Strassen zwei oder drei Raclette-Lokale nebeneinander, oft ergänzt um japanische Beilagen wie eingelegten Rettich oder Edamame.
Auch in Spanien hat geschmolzener Käse Fuss gefasst. In Barcelona und Madrid tauchen Raclette-Pop-ups auf Wochenmärkten und Food-Festivals auf, wo der Käse auf Baguette oder über Patatas Bravas geschabt wird. Typisch spanisch: mehr Olivenöl, mehr Pimentón, mehr Gespräch. In Südkorea kombinieren Restaurants geschmolzenen Raclette-Käse mit koreanischem Fried Chicken, ein Trend, der über soziale Medien viral ging und dem Gericht eine völlig neue Zielgruppe erschloss.
Der grösste Beweis für den globalen Stellenwert des Raclette ist die Weltmeisterschaft im Raclette, die seit mehreren Jahren im Schweizer Ort Morgins stattfindet. Bei der Ausgabe 2025 traten Teilnehmer aus 12 Ländern an, darunter Teams aus Japan, Kanada und Brasilien. Die Juroren bewerten Schmelzgrad, Käsequalität, Schabtechnik und die Wahl der Beilagen. Da jeder Teilnehmer seine eigene kulinarische Heimat mitbringt, entstehen überraschende Kombinationen: brasilianischer Maniok als Beilage, japanische Umami-Saucen zum Dippen. Für 2026 plant Martigny ein Spektakel der Superlative: das grösste Raclette der Welt, bei dem hunderte Kilogramm Walliser Käse gleichzeitig geschmolzen werden sollen. Die Veranstaltung soll Besucher aus über zwanzig Nationen anziehen und den Weltrekord im gleichzeitigen Käseschmelzen brechen.
Das zeigt sich überall: In Shibuya fliesst Raclette über Reis, in Barcelona über Patatas Bravas, und in Morgins messen sich Teams aus zwölf Ländern beim perfekten Schmelzgrad. Was all diese Orte verbindet, ist ein Tisch, an dem man zusammenrückt. Mehr braucht es nicht: keinen komplizierten Rezeptkanon, keine teure Ausstattung, keine formelle Tischordnung. Tipps für die perfekte Raclette-Party gelten überall gleichermassen.

Wie man wählt
Wer Raclette weltweit nachkochen will, steht vor drei Entscheidungen. Erstens: der Käse. Ein AOP-zertifizierter Walliser Raclette bietet den authentischsten Geschmack, während mildere Sorten aus Savoyen oder industriell gefertigter Raclette-Käse leichter verfügbar sind. Achten Sie auf den Fettgehalt: Mindestens 45 Prozent Fett in der Trockenmasse sorgen dafür, dass der Käse gleichmässig schmilzt, ohne gummiartig zu werden. Das igourmet Sortiment liefert eine kuratierte Auswahl an Schmelzkäse direkt nach Hause.
Zweitens: die Heizmethode. Traditionelle Halblaib-Geräte eignen sich für Puristen, elektrische Pfännchen-Modelle für grössere Runden. Wer beides kombinieren will, findet Geräte mit oberer Heizschlange und unteren Pfännchen gleichzeitig. Drittens: die Personenzahl. Für vier Gäste reicht ein kompaktes Gerät, ab sechs Personen lohnt sich ein Modell mit acht Pfännchen und grosser Grillplatte. Achten Sie dabei auf die Wattzahl: Geräte unter 1000 Watt brauchen merklich länger, bis der Käse schmilzt, was bei ungeduldigen Gästen für Frust sorgt. Ein robustes Käsebrett wie das ChefSofi sorgt zusätzlich für stilvolles Servieren und eignet sich gleichzeitig als Unterlage für Aufschnitt und Beilagen.
Welches Land hat Raclette erfunden?
Raclette stammt aus dem Kanton Wallis in der Schweiz, wo Hirten seit dem 13. Jahrhundert Käse am offenen Feuer schmolzen. Der Name leitet sich vom französischen Verb racler ab, was schaben bedeutet.
Was ist der Unterschied zwischen Schweizer und französischem Raclette?
Schweizer Raclette schmilzt einen halben Laib am Feuer und wird mit Kartoffeln, Essiggurken und Trockenfleisch serviert. In Frankreich bevorzugt man elektrische Pfännchen mit reichlich Aufschnitt.



